Am 22. November 2019 im schikaneder:

SANTA SANGRE

Alejandro Jodorowsky, IT/MX, 1989

123 min., OmdU


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Am 17. & 20. Dezember 2019 im schikaneder: 

ES IST SCHWER, EIN GOTT ZU SEIN

Aleksey German, RU, 2013

177 min., OmdU


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Ab 17. September 2019 im schikaneder:

DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER (Quella villa accanto al cimitero)

Lucio Fulci , IT, 1981

83 min., DF

Der vermeintliche Selbstmord eines gar nicht depressiv wirkenden Wissenschaftlers lässt große Fragezeichen in den Köpfen seiner Bekannten zurück. Noch dazu soll er, bevor er sich selbst den Garaus gemacht hat, seine Freundin auf brutale Weise ermordet haben. Um der Sache auf den Grund zu gehen, zieht Historiker Norman mit seiner Familie von New York aufs Land, in das Haus des Geschehens. Sein Sohn erhält zuvor zahlreiche Warnungen von einem mysteriösen Mädchen, das anscheinend nur er sehen kann: Er solle auf keinen Fall in dieses Haus ziehen! Schon nach kurzer Zeit erweisen sich die Gefahrenhinweise als berechtigt…

 

Welches Sujet Lucio Fulci auch berührt hat – ob den Giallo-Thriller, den Poliziottesco oder den Zombieschocker – er hat es mit einer beachtlichen Portion Blut vermengt. Da stellt auch sein Haunted House Schrägstrich Zombie Gothic-Kultfilm DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER keine Ausnahme dar – so viel steht bereits nach 3 Minuten Laufzeit fest. Doch auch wenn seine Gore-Szenen, aufgrund großartiger Maskenbildner statt billiger CGI-Effekte, einen immer noch das Grausen lehren, sollte man Fulci nicht darauf reduzieren. Mit der immer eigenwilligen Atmosphäre seiner Filme, den großartigen wie oftmals irritierenden Bild-Ton-Kompositionen und seiner berühmt-berüchtigten Härte in der Führung der Darsteller*innen, hat er zurecht in der weltweit vordersten Riege der Horrormaestros Platz genommen.

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Ab 17. September 2019 im schikaneder:

DIBBUK - EINE HOCHZEIT IN POLEN (Demon)

Marcin Wrona , PL, 2016

94 min., OmdU

Es hätte der schönste Tag in ihrem Leben sein sollen: Piotr ist aus England angereist, um auf dem polnischen Land seine Verlobte Zanetka zu heiraten – und dort zu bleiben. Der Grund, auf dem die feuchtfröhliche Hochzeit stattfindet, ist nämlich zusätzlich das Geschenk des Vaters an das junge Brautpaar. Dieser gibt sich alle Mühe seinen neuen Schwiegersohn zu akzeptieren, wobei das mit voranschreitender Stunde immer schwieriger wird. Denn seitdem Piotr im Garten ein Skelett zu gefunden haben glaubt, verhält er sich irgendwie befremdlich…

 

Eine Portion Grusel, eine Prise schwarzer Humor, eine nicht ganz subtile Kritik an der polnischen Vergangenheitsbewältigung et voilà: Wir sind mittendrin im Schaffen des sehr früh verstorbenen Regisseurs Marcin Wrona. In seinem zweiten und letzten Spielfilm greift er die aus dem jüdischen Volksglauben entlehnte Figur des Dibbuks auf – ein Dämon, der in die Körper lebender Menschen eindringt - und verleiht seinem Werk damit eine geschichtsträchtige Schwere. DIBBUK – EINE HOCHZEIT IN POLEN wirkt aber auch ein bisschen wie die Horrorversion von Milos Formans FEUERWEHRBALL. Unheimlich und unheimlich gut. 

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Ab 4. September 2019 im schikaneder: 

NOVEMBER

Rainer Sarnet , EST, 2017

115 min., OmdU

In einem Dorf irgendwo in Estland leben die Menschen nicht nur im Einklang mit der Natur – sie leben in direktem Kontakt mit der Totenwelt. So wundert es auch niemanden, wenn die Verstorbenen an Allerheiligen zu Besuch kommen und anschließend zusammen in der Sauna sitzen. Mitunter werden sie von den Dorfbewohner*innen um ihren Frieden beneidet, denn die kalten Winter stellen für manche einen harten Kampf ums Überleben dar. Als Unterstützung halten sie sich deswegen „Kratts“ - von einem korpulenten Waldgeist beseelte Gegenstände, die zur Mitarbeit im Haushalt oder in der Landwirtschaft verdonnert werden. Doch um eine derartige Seele zu erwerben, muss erst ein mit Blut besiegelter Pakt beschlossen werden…

Es sind mehrere Erzählstränge, die sich in Rainer Sarnets NOVEMBER (nach einem Roman von Andrus Kivirähks) zu einem ganzen – in wunderschönen Schwarz/Weiß-Bildern gehaltenen - Volksmärchen fügen. Dabei wird das Publikum bereits in den ersten 5 Minuten dazu genötigt, seine Sehgewohnheiten für die Dauer dieses Films auf die lange Bank zu schieben. Denn wenn eine Kuh von einem aus Sensen bestehenden Mini-Hubschrauber, dessen Zentrum ein Tiertotenkopf bildet, über das Dorf getragen wird, ist das ein – sagen wir Mal – etwas eigentümlicher, wie vielversprechender Anfang.


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Ab 3. September 2019 im schikaneder: 

VANISHING WAVES (Aurora)

Kristina Buozyte, LTU, 2012

124 min., OmdU

Litauen in der nahen Zukunft. Der Neurowissenschaftler Lukas ist die Versuchsperson eines bahnbrechenden Experiments. Er soll in mehreren Sessions in die Traumwelt der Komapatientin Aurora einsteigen und anschließend von seinen Erfahrungen berichten. Tatsächlich gelingt das Unterfangen und sogar mehr als das: Lukas trifft auf Aurora selbst. Schnell bahnt sich eine ekstatische Romanze in der surrealen Kulissenwelt von Auroras Unterbewusstsein an, die sich an Intensität von Mal zu Mal steigert. Doch irgendetwas hindert Lukas daran seine Erfahrungen mit dem Wissenschaftsteam zu teilen, bis das Experiment zu eskalieren droht.

Regisseurin Kristina Buožytė ist mit sehr wenig Budget ein beachtlicher Streich gelungen. Besonders die dargebotene Bildgewalt der Traumwelt und der unterlegte, dramatische Soundtrack tragen zu der einzigartigen Atmosphäre des Films bei. Das Erzähltempo ist dabei langsam, fast unaufgeregt und doch nie langatmig. Was bleibt ist ein schöner Film, mit ebenso erotischen wie unangenehmen, erhellenden wie düsteren Momenten.


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Ab 21. August 2019 im schikaneder: 

MESSER IM HERZ (Un couteau dans le coeur)

Yann Gonzalez, FR, 2018

102 min., OmdU

Paris 1979. Für die Regisseurin Anne könnte es besser laufen: Den Darstellern ihrer Schwulenpornos fehlt es an Elan, die Beziehung zu ihrer Geliebten und Cutterin ist in die Brüche gegangen und zu allem Übel treibt ein maskierter Killer sein Unwesen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Dieser tötet seine Opfer mithilfe eines großen, schwarzen Dildos, aus dessen Spitze bei Bedarf eine Messerklinge schießt. Als Anne beginnt diese dramatischen Geschehnisse in ihre Filme einzubauen, erntet sie aus ihrem Umfeld nicht nur Lorbeeren, denn die Opfer sind ehemalige Freunde und Crew-Mitglieder.  Unterdessen werden die Kreise, die der Killer zieht, zunehmend enger und es stellt sich für alle die gleiche Frage: Wer ist als nächstes dran?

 

Wenn Regisseur Yann Gonzalez eine Hommage an das italienische Slasher-Subgenre Giallo dreht und in den Kontext eines queeren Porno-Milieus packt, dann kann das nur interessant werden. Und tatsächlich ist MESSER IM HERZ noch viel mehr als das! Mit einer stylishen Farbgestaltung, einem atmosphärischen Soundtrack, den zwischen kitschig und absurd zu verortenden Dialogen und der großartigen Hauptdarstellerin schuf der Regisseur mit seinem zweiten Spielfilm eine kleine Sternstunde am Firmament des düsteren Queer-Kinos.


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Ab 20. August 2019 im schikaneder: 

BEGEGNUNGEN NACH MITTERNACHT (Les rencontres d'apres minuit)

Yann Gonzalez, FR, 2013

98 min., OmdU

Die Schlampe, der Hengst, der Teenager und der Star treffen im Rahmen einer anonymen Sexparty auf das seltsame Gastgeber-Dreiergespann Ali, Matthias und Udo. Neben der passenden Musik für jede Stimmung und sämtlichen Partydrogen, werden vor allem Lebensgeschichten in Form von Monologen geteilt. Die sind alles andere als trivial, lassen den Sex als eigentlichen Grund des Zusammentreffens in den Hintergrund rücken und anerkannte Naturgesetze wie überholte Bauernregeln dastehen. Und mit voranschreitender Stunde, stellt man sich unwillkürlich die Frage, wer die Gastgeber eigentlich sind, woher sie sich kennen und was ihren unzeitgemäßen Charme ausmacht. Eines ist jedenfalls klar: Keiner der geladenen Gäste wird diese Nacht jemals vergessen können.

Bereits der surreal anmutende Prolog lässt ahnen, dass man es mit einem Genregrenzen-sprengenden Kunstwerk zutun hat. Sowohl das Spiel mit den Farben, das an Giallo-Klassiker von Argento und Bava denken lässt, als auch der eigens für den Film produzierte Soundtrack von M83 tragen zur dichten Atmosphäre bei. BEGEGNUNGEN NACH MITTERNACHT ist ein Spielfilmdebüt, dass dem Nachfolger MESSER IM HERZ um nichts nachsteht. Yann Gonzales hat damit ein poetisches, queeres, kitschiges und vor allem wunderschönes Erstlingswerk abgeliefert.


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Ab 8. August 2019 im schikaneder: 

SINGAPORE SLING

Nikos Nikolaidis , GR, 1990

107 min., OmdU

Wenn ein Film in den 90ern zum instant-classic unter den Midnight Movies mutierte, dann der griechische Skandalfilm SINGAPORE SLING. Durch die fast schon radikale Kombination verschiedenster Genreelemente – vom Film noir über den Horrorfilm hin zur Slapstick-Komödie – schuf Nikos Nikolaidis einen zeitlosen Außenseiter von Film. Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen, klatschen oder erbrechen soll, aber dennoch – oder vielleicht gerade deswegen –  fasziniert er und lädt zum Wiedersehen ein.
 
Ein verletzter Detektiv, auf der Suche nach seiner großen Liebe Laura, strandet in der Einfahrt eines pompösen Anwesens. Zur gleichen Zeit vergraben dort zwei Frauen – die Bewohnerinnen des Hauses – eine Leiche im Garten. Nichtahnend was für einen fundamentalen Fehler er damit begeht, betritt er das Anwesen und bricht sofort zusammen. Seine Bewusstlosigkeit wird von den Frauen ausgenutzt und er zum Spielball und Zuschauer ihrer verstörenden Sexspiele. 


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Ab 8. August 2019 im schikaneder: 

THE WILD BOYS (Les garçons sauvages)

Betrand Mandico , FR, 2017

110 min., OmdU

Nach der grausamen Vergewaltigung und Ermordung ihrer Lehrerin werden die 5 minderjährigen Täter in die Obhut eines mysteriösen Schiffskapitäns übergegeben. Er verspricht den Eltern, dass die Söhne nach der gemeinsamen Reise keine Gefahr für die Gesellschaft mehr darstellen werden. Nach nur kurzer Zeit auf einer seltsamen tropischen Insel, wo die Jungen aus penisähnlichen Pflanzen trinken und sich an Erdlöchern vergehen, ist nichts mehr wie es zu gewesen sein scheint.

Das vom Cahiers du cinéma zum besten Film des Jahres 2018 gekürte Spielfilmdebüt des französischen Regisseurs Bertrand Mandico ist eine surreale Odyssee, erzählt in experimenteller Bildsprache. Was wie eine düster-märchenhafte Interpretation von A CLOCKWORK ORANGE beginnt, lässt schon bald alle inhaltlichen Assoziationen mit bisher Gesehenem hinter sich. Dass der Film in seiner freien Interpretation eines William S. Burroughs Romans zudem den Geist der Beatniks atmet, rundet das Meisterwerk atmosphärisch ab. THE WILD BOYS ist eine knapp zweistündige, verstörende Transformation auf allen möglichen Ebenen: Am Ende ist nichts mehr wie es war.


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Ab 28. Juni 2019 im schikaneder: 

WE ARE THE FLESH (Tenemos la carne)

Emiliano Rocher Minter, MX, 2016

79 min., OmdU

Der mexikanische Regisseur Emiliano Rocher Minter hat mit seinem Erstlingswerk ein tabuloses Endzeit-Kammerspiel geschaffen, das bis dato in keinem Kino in Österreich zu sehen war. Von in Filmen selten gezeigten Körperflüssigkeiten, hin zu langen und ästhetischen Nahaufnahmen von Geschlechtsteilen: hier kriegt man Einiges zu sehen. Trotz zahlreicher Provokationen bewahrt sich der Film eine eigenständige Seriosität und besticht vor allem durch seine düstere und gleichzeitig farbenprächtige Optik.

 

Ein scheinbar am Hang zum Wahnsinn stehender Mann hat es sich in seinem eigenen Kellerreich so eingerichtet, dass es sich überleben lässt. Während draußen weiß Gott was vor sich geht, stellt er mit einem selbst konstruierten Gerät Gas her und tauscht das gewonnene Gut gegen Eier. Als sich ein junges, nach Nahrung suchendes Geschwisterpaar zu ihm verirrt, ändert sich sein routiniertes Einsiedlerdasein schlagartig. Doch er weiß die neue Situation für sich zu nutzen…

Nicht nur die schwindelerregenden Kamerafahrten erinnern an Filme des französischen Ausnahmeregisseurs Gaspar Noé. Auch mit expliziten und verstörenden Sexszenen, blutigen Gewaltexzessen und einer nihilistische Grundstimmung („There’s no such thing as love. Only demonstrations of love“) wird nicht gespart. Der Film macht seinem Titel alle Ehre, denn Fleisch - in den verschiedensten Variationen - kriegt man reichlich zu sehen. WE ARE THE FLESH sei nur jenen Personen mit resistentem Magen und einer ausgeprägten Portion schwarzem Humor empfohlen. Denen dafür umso mehr!


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Ab 25. Juni 2019 im schikaneder: 

GUTE MANIEREN (As Boas Maneiras) 

Juliana Rojas , Marco Dutra, BR, 2017

135 min., OmdU

Juliana Rojas & Marco Dutra vermischen in ihrem zweiten gemeinsamen Spielfilm allzu reale Thematiken, wie die der sozialen Ungleichheit in der Metropole São Paulo, mit phantastischen Elementen. Was dabei herauskommt, ist ein unheimlich schön erzähltes Großstadtmärchen, mit ebenso düsteren wie rührenden Phasen. Bei den Filmfestspielen in Locarno wurde er 2017 vollkommen zurecht mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

Die hochschwangere, gut situierte Ana lebt alleine in einer schönen Wohnung in São Paulo. Als Unterstützung im Alltag, stellt sie die von Schulden belastete Krankenschwester Clara an. Zwischen ihnen bahnt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung an. Doch schon bald bemerkt Clara, dass ihre schwangere Freundin und Arbeitgeberin schlafwandelnd durch die Stadt zieht und dabei höchst seltsame Dinge anstellt.
 
Aus diesem Film nimmt man mehr mit, als nur den schönen Ohrwurm eines beruhigenden Kinderlieds, das man immer wieder zu hören bekommt. Die Performances der zwei Hauptdarstellerinnen sind nicht nur überzeugend - man kann gar nicht anders, als sie stillschweigend ins Herz zu schließen. Außerdem besticht der Film durch eine, von unerwarteten Wendungen geprägte Handlung und einer sehr konsequenten Bildgestaltung. Hier verschmelzen die getragenen Kleidungsstücke regelrecht mit den Farben im Hintergrund.


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Ab 31. Mai 2019 im schikaneder: 

DER TOD WEINT ROTE TRÄNEN (L'étrange couleur des larmes de ton corps) 

Hélène Cattet , Bruno Forzani, BE, 2013

98 min., OmdU

Der zweite Streich des französisch-belgischen Regisseurenpärchens ist nach ihrem preisgekrönten Debüt AMER einmal mehr eine gekonnte Hommage an das italienische Exploitationkino der 60er und 70er-Jahre. THE STRANGE COLOUR OF YOUR BODY’S TEARS verlangt seinem Publikum einiges ab, doch wer sich auf diesen surrealen Bilder-Trip einlassen kann, wird reichlich belohnt.

Ein Mann kommt von einer Geschäftsreise zurück und findet eine menschenleere Wohnung vor – seine Frau scheint verschwunden zu sein. Unverzüglich begibt er sich auf die Suche nach ihr und fangt bei den direkten Nachbarn an. Schon bald scheint seine Realität mit den abstrusen Geschichten der Nachbarn zu verschmelzen.

Während alte Giallo-Klassiker durch eine meist sehr simple Handlung in einer hoch stilisierten Aufmachung bestechen, führt THE STRANGE COLOUR OF YOUR BODY’S TEARS in eine verwirrende und alptraumhafte Welt, in der alles möglich zu sein scheint. Dabei bietet er eine schier unglaublich atemberaubende Bildästhetik mit ausgefuchstem Sounddesign und unzähligen kreativen Einfällen. Ein Filmerlebnis bei dem man vor lauter Staunen schnell einmal den Faden verliert – soweit dieser Faden jemals vorhanden war.


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Ab 29. Mai 2019 im schikaneder:

OPERA 

Dario Argento, IT, 1987

107 min., OmdU

Dario Argento bezeichnet seinen späten Giallo-Thriller OPERA als seinen gelungensten Film. Trotzdem geht er neben den renommierten Klassikern SUSPIRIA und PROFONDO ROSSO gerne unter. Dabei erreichte Argento mit diesem Film inszenatorische Höchstform. OPERA ist purer Genuss für filmliebhabende Augen und musikaffine Ohren.

Macbeth bringt Unglück. So heißt es zumindest. Trotzdem ergreift die junge Nachwuchs-Opernsängerin Betty die Chance, als die ursprüngliche Hauptdarstellerin ausfällt. Schon bald bewahrheitet sich der Aberglaube und Betty selbst steht inmitten einer sadistischen Unglücksserie: Sie wird von einem Mörder gezwungen ihm bei den grausamen Taten zuzuschauen.
 
Dario Argento, der seinerzeit mitunter Ko-Autor des Drehbuchs zu SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD war, hat den Giallo-Thriller geprägt wie kein anderer. Während sich andere Vertreter des Genres auf in die Länge gezogene Mord- und explizite Sexszenen reduzierten, trat er in die Fußstapfen des Giallo-Begründers Mario Bava. Der Kreativität wurden hierbei keine Grenzen gesetzt, was man an den aufwendigen Kamerafahrten, der spielerischen Lichtgestaltung und dem abwechslungsreichen Soundtrack leicht erkennen kann.


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Ab 10. Oktober 2019 im schikaneder: 

MANDY

Panos Cosmatos, US, 2018

121 min., OmdU

Holzfäller Red Miller lebt mit Künstlerin Mandy in einem abgeschiedenen Haus, in der bewaldeten Einöde Kaliforniens. Im behaglichen Dorf, in dem Mandy tagsüber als Kassiererin arbeitet, kennt man/frau sich und schätzt das unaufgeregte Leben. Die Idylle wird gestört, als eines Tages eine religiöse Sekte aufkreuzt. Ihr Anführer sieht in Mandy etwas Besonderes und beschließt sie zum nächsten Opfer zu machen. Doch wer sich mit Mandy anlegt, legt sich automatisch auch mit Red Miller an…

Der zweite Spielfilm von Panos Cosmatos ist vieles, aber eine Sache ganz bestimmt nicht: konventionell. Hier hat man/frau von Anfang an das Gefühl, sich in einer seltsamen, nur den eigenen Regeln folgenden Welt zu bewegen. Während sich die erste Hälfte des Films sehr viel Zeit nimmt – und unter anderem durch die langen Kameraeinstellungen richtig hypnotisch wirkt – erwartet uns im zweiten Teil ein ultrabrutales Gemetzel, indem sich Nicolas Cage gewohnt gekonnt austoben darf. Für die Filmmusik war Ausnahmekomponist Jóhann Jóhannssons verantwortlich, der kurz darauf gestorben ist und somit ein Vermächtnis hinterlassen hat, das mit MANDY einen würdigen Abschluss gefunden hat. Ein Pflichtfilm für Freund*innen des düster-surrealistischen Films, der nebenbei eine Horrorfilm-Referenz nach der anderen abwirft. 


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Ab 12. Oktober 2019 im schikaneder: 

BEN & MICKEY VS. THE DEAD (The Battery) 

Jeremy Gardner, US, 2012

101 min., OmdU

Wenn Ben & Mickey durch menschenleere Einöden ziehen, wird die idyllische Ruhe nur hie und da von einem hungrigen Zombie gestört. Es sei denn die Protagonisten kommen sich wieder in die Haare, denn es lebt sich ganz schön eingepfercht in der Zweisamkeit der Apokalypse. Während der sensible Mickey lieber in der Vergangenheit schwelgt, behält Ben den nüchternen Überblick, den es zum Überleben braucht. Dabei entwickelt er allerdings radikale Strategien und eine stetig wachsende Erbarmungslosigkeit, sowohl den Untoten als auch den Lebenden gegenüber. Ein Dilemma, das nicht nur die Freundschaft der ehemaligen Baseballspieler auf die Probe stellt, sondern mitunter auch ihr Leben.

Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Jeremy Gardner hat mit seinem Regiedebüt einen der coolsten Zombiestreifen überhaupt abgeliefert. In BEN & MICKEY VS. THE DEAD wird das Genre durch erfrischenden Einfallsreichtum erweitert. Hier werden die Untoten zur Masturbationsvorlage, Discmans zur Überlebensstrategie und Apfelbaumplantagen zum Baseballfeld. Darüber hinaus bietet die Low Budget-Produktion einen Indie-Soundtrack, der sich gewaschen hat und die vielleicht sympathischste Solo-Tanzszene der Filmgeschichte. Must see – nicht nur für Zombiefans.


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Am 31. Oktober 2019 im schikaneder: 

THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE

Tobe Hooper, US, 1974

83 min., OmdU

Die Geschwister Sally und Jerry wollen das Grab ihres Großvaters besuchen und wagen mit drei Freunden einen Roadtrip in ein texanisches Kaff, dessen größte Sehenswürdigkeit ein Schlachthaus ist. Doch die Eingeborenen haben nicht nur Rind und Schwein zum Fressen gern, so landen die Jugendlichen reihum in der Vorratskammer eines degenerierten Kannibalen-Clans, zusammengehalten von einem kettensägenschwingenden Menschen-Metzger mit morbidem Verkleidungswahn.

In die chronologische Halbzeit zwischen „Psycho“ und „Das Schweigen der Lämmer“ setzt Tobe Hooper den dritten Horror-Meilenstein, der vom Serienkiller Ed Gein inspiriert wurde. Entgegen seines berüchtigten Rufes spielt sich titelspendendes Massaker ausgesprochen unblutig ab, weiß aber durch ebendiese Subtilität und schiere Rohheit des Werkes ungebrochen zu schockieren. Der faulige Gestank verwesender Fleischberge und toxischen Hinterwäldlertums strömt förmlich von der Leinwand, wenn Leatherface und Co zu Tisch bitten. Mit seinem Opus hinterlässt Hooper einen bitteren Nachgeschmack im Munde der Sittenwächter und liefert die sozial aussagekräftige Schablone für spätere Backwood-Slasher. (Daniel Krunz)


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Ab 7. November 2019 im schikaneder: 

HOLIDAY

Isabella Eklöf, DK, NL, SE, TR, 2018

92 min., OmdU

Isabella Eklöfs radikales Spielfilmdebüt beginnt dort, wo viele Urlaube auch beginnen: am Flughafen. Dort landet die junge Sascha alleine mit einer Menge Geld im Koffer. Sie soll nämlich einen Drogendeal über die Bühne bringen, bevor sie den Rest des kriminellen Clans trifft und der Urlaub beginnen kann. Als Sascha dem Dealer gesteht, dass sie einen kleinen Teil der Summe notgedrungen ausgeben musste, kassiert sie bereits die erste Ohrfeige. Schnell stellt sich heraus, dass man sich auch von ihrer Clique keine wärmeren Umgangsformen erwarten kann. Für Sascha wird der Urlaub zum Horror – und damit auch für uns.

 

HOLIDAY spricht viele wichtige Themen der heutigen Zeit an, ohne dabei mit konkreten Messages um sich zu werfen. Isabella Eklöf, die übrigens auch Co-Autorin von BORDER war, beschreibt mit ihrem Debüt eine emotional verwahrloste, in ihrer Oberflächigkeit nur noch boshafte Welt, die alles andere als erstrebenswert ist. Der Kontrast zur hellen Urlaubskulisse und dem Urlaubsfeeling, in das man sich hineinversetzt fühlt, verstört umso mehr. HOLIDAY ist unangenehm, weil er unangenehm sein muss! Ein wahnsinnig überzeugendes Spielfilmdebüt, das große Erwartungen an Isabella Eklöf entstehen lässt.


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Am 13. Dezember 2019 im schikaneder:

PHANTASM

Don Coscarelli, US, 1979

88 min., OmdU

Lange vor BUBBA HO-TEP hat Don Coscarelli mit PHANTASM einen absoluten Kultfilm in die Welt gesetzt. Dabei hat er neben einer ganzen Reihe an Sequels vor allem eine stetig wachsende Fangemeinde nach sich gezogen. Und das ist nicht verwunderlich! Die Low-Budget-Produktion mit leichter Trashnote überzeugt auf vielen Ebenen: Bei der creepy Filmmusik angefangen, über gelungene Gore-Szenen, hin zur phänomenalen Besetzung des „Tall Man“. PHANTASM ist ein Film voller Weirdness, Witz und Einfallsreichtum – funktioniert heute mindestens genauso gut wie damals!

Mike ist ein verwaister Teenager mit Verlustängsten, der seinem älteren Bruder auf Schritt und Tritt folgt. Nach der Beerdigung eines gemeinsamen Freundes, beobachtet er etwas Seltsames: Der unheimliche Leichenbestatter hebt den Sarg samt Körper eigenständig in den Leichenwagen. Bald stellt sich heraus, dass nicht nur die Kräfte des „Tall Man“ nicht von dieser Welt sind. Immer mehr merkwürdige Dinge passieren in der Kleinstadt und Mike wird bald zur Zielscheibe des Bösen. Nachdem er auch seinen Bruder davon überzeugt hat, beschließen sie diesem Spuk ein Ende zu setzen. Doch wie bekämpft man etwas, das nicht von dieser Welt zu sein scheint?


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Am 11. & 16. Jänner 2020 im schikaneder: 

AUDITION

Takeshi Miike, JP, 1999

115 min., OmdU

Takashi Miike ist noch keine 60 Jahre alt und hat bereits über 100 Filme gedreht. Wer seine Filme kennt, weiß, dass sie nicht immer leicht einzuordnen sind. Aber folgendes ist klar: Miike mag es schräg und blutig und häufig auch ein bisschen überfordernd. Wenn viele seiner Werke ein hohes Tempo und viele Handlungsnebenstränge aufweisen, besticht AUDITION durch eine sehr ruhige Erzählweise, die in einem der radikalsten Finale der Filmgeschichte endet. Auweh…

 

Einige Jahre nach dem Tod von Aoyamas Frau, rät ihm sein Sohn wieder zu heiraten. Tatsächlich wird ihm damit ein Floh ins Ohr gesetzt, aber die Suche nach der „idealen Frau“ stellt sich als nicht so einfach heraus. Weil Aoyama auf einen Heiratsvermittler verzichten will, schlägt ihm sein Freund, der Fernsehproduzent ist, etwas anderes vor. Er organisiert ein Casting für einen neuen Film, an dem er beteiligt sein und unter den Bewerberinnen fündig werden kann. Obwohl sich Aoyama unter den schriftlichen Bewerbungen 30 aussuchen soll, hat er sich insgeheim schon für die geheimnisvolle Balletttänzerin Asami entschieden. Dass diese etwas im Schilde führt, ahnt der Fernsehproduzent schnell, doch Aoyama scheint wie hypnotisiert vor Liebe…


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Am 24. Jänner 2020 im schikaneder:

HAUSU

Nobuhiko Obayashi, JP, 1977

88 min., OmdU

Was kommt heraus, wenn man einen exzentrischen Werbefilmer beauftragt, Japans Werkantwort auf „Der weiße Hai“ zu formulieren? - Einer der schrägsten Filme aller Zeiten, der jede Kategorisierung kategorisch verneint.

 

Die sechzehnjährige Oshare hat es nicht leicht seit dem Tod ihrer Mutter und kann sich mit der neuen Freundin des Vaters nicht anfreunden. Sie nützt die Sommerferien als Auszeit und besucht mit Schulfreundinnen ihre Tante auf dem Land. Die alte Dame freut sich über die Gesellschaft der jungen Mädchen, doch bald schon werfen merkwürdige Ereignisse im Landhaus unangenehme Fragen auf.

Wer hinter der unverdächtigen Prämisse generische Genrekost wittert, wird drastisch eines besseren belehrt und sich fühlen, als hätte ihm jemand etwas in den Tee gekippt. Nobuhiko Obayashi, der sein Drehbuch selbst verfilmte, nachdem es von anderen Regisseuren nicht verstanden wurde, wirft emotionsgeladene Werbefilmästhetik mit infantilen Trickeffekten, surrealem Horror und absurder Komik in einen Turbomixer. Die fertige Substanz wird mal als surrealistische Coming of Age-Allegorie, mal als tiefgründige Hiroshima Verarbeitung und mal einfach als anarchistischer Wahnsinn interpretiert, betört aber letztlich durch seine psychedelische Rauschwirkung: Das betont künstliche Kunstwerk, das sich „Hausu“ nennt, ist ein buntes, rasantes, orgiastisches Augenfest und am Ende kann man sich nicht mehr an alles erinnern. Oder um es mit einem Inside Joke zu sagen: Dieser Film ist Bananas! (Daniel Krunz)


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Am 14. Februar 2020 im schikaneder: 

THE DUKE OF BURGUNDY

Peter Strickland, UK, 2014

104 min., OmdU

Valentingstag ohne Valentin im schikaneder! In Peter Stricklands drittem Spielfilm bekommt man nämlich keinen einzigen Mann zu Gesicht. Stattdessen einen visuell betörend schönen Liebesfilm, der irgendwo zwischen "Portait of a Lady on Fire" und dem surrealen Erotikkino eines Jean Rollins anzusiedeln ist.

Evelyn und Cynthia sind ein ungleiches Paar, das in einem Landhaus lebt, welches mindestens so altertümlich erscheint, wie die Kleidung der Protagonistinnen. Wenn Erstere sich gerne im Rahmen von selbst erfundenen Rollenspielen unterdrücken lässt, gibt sich die Insektologin Cynthia diesem Fetisch eher müden Auges hin. Was anfangs noch zu funktionieren scheint, droht schon bald durch Evelyns stetig wachsende Lust am Spiel zu zerbrechen.

Spätestens seit der Giallo-Hommage "Berberian Sound Studio" ist Peter Strickland den Fans des düster-makaberen Genrekinos ein Begriff. DUKE OF BURGUNDY vereint in sich verschiedenste Genreelemente und beweist nebenbei, dass Männer wohl im Stande dazu sind, feministisches Kino zu machen. Und es vielleicht auch viel öfter tun sollten.


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Am 11. & 22. Februar 2020 im schikaneder: 

WHY DON'T YOU JUST DIE!

Kirill Sokolov, RU, 2018

100 min., OmdU

Im September noch bei der „Nacht der 1000 Messer“ am /slash filmfestival und jetzt bei den Til Midnight Movies im schikaneder. Das bitterböse Spielfilmdebüt des jungen Kirill Sokolov fasziniert, verstört, ekelt an – und macht dabei unheimlich viel Spaß!

Der erstmalige Besuch der zukünftigen Schwiegereltern ist selten ein entspanntes Unterfangen. Für den jungen Metvei stellt sich die Situation aber als besonders angespannt dar. Er will sich dabei nämlich, mittels mitgebrachten Hammers, des grimmigen Polizisten-Papas Andrei entledigen. Allerdings läuft von Anfang an alles schief was nur schieflaufen kann: Der hoffentlich-nicht-zukünftige Schwiegerpapa ahnt schnell wie der Hase läuft und holt die Schrotflinte aus dem Kasten. Eine solche Ausgangssituation muss in einem blutigen Showdown enden. Und in WHY DON’T YOU JUST DIE! tut sie’s gleich in mehreren…

Der dreißigjährige Kirill Sokolov inszeniert dieses Spektakel so gekonnt und treffsicher, dass es an den brutalen Stellen körperlich wehtut und an anderen die Lachmuskeln strapaziert werden. Manchmal auch beides gleichzeitig. Musikalisch hantelt sich der Film dabei selbstbewusst von Hip-Hop Instrumentals über typische Westernthemen, visuell besticht er durch einen schier unglaublichen Einfallsreichtum, atmen tut er den Geist Sergio Leones und bedienen tut er sich an den exzessiven Gewaltdarstellungen Tarantinos. Man, that’s a combination! 


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Am 6. & 12. März 2020 im schikaneder: 

DIE FARBE AUS DEM ALL (Color out of Space)

Richard Stanley, US, 2019

111 min., OmdU

Von gruselig, über tragisch bis hin zu extrem ekelig: Die Verfilmung der H.P. Lovecraft Kurzgeschichte, mit einem grandiosen Nicolas Cage in der Hauptrolle, gleicht einer Hochschaubahn der Gefühlslagen, die sich spätestens in der zweiten Hälfte selbst ad absurdum führt - und dadurch nur noch spaßiger wird.

Das Idyll der Familie Gardner wird gestört, als ein lilafarbener Meteorit in ihrem Garten einschlägt. Dieser verbreitet nicht nur einen unangenehmen Geruch, sondern dürfte die Vegetation, sämtliche technische Geräte und nicht zuletzt den menschlichen Verstand aus den Fugen werfen. Da landen mitgeschnittene Fingerkuppen im Gemüsetopf, schillernde Alien-Insekten klettern aus dem sprechenden Brunnen, die Alpaccas scheinen mehr denn je ein Eigenleben zu führen und nebenbei wohnt man einem inzestuös-siamesischen Zwilling bei der Transformation zum Monster bei. Things are getting batshit crazy out there!

 

Nicolas Cage beweist ein Mal mehr, dass er mehr auf Lager hat, als gekonnt durchzudrehen. Er beweist aber ebenfalls, dass er gekonnt durchdrehen kann. Und wie! Wobei der Film mit B-Movie-Charakter sicherlich nicht von den schauspielerischen Leistungen lebt, sondern vielmehr von den irrwitzigen Einfällen und der absurden Grundstimmung. Auch wenn schnell klar ist, dass es ein Film ist, in dem schlichtweg alles passieren kann, schafft es Richard Stanley die dadurch drohende Gleichgültigkeit des Publikum stets zu verhindern. Und dadurch ist ihm ein mehr als würdiges Comeback gelungen!

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Am 12., 18. & 24. Juni 2020 im schikaneder: 

VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT (Quattro Mosche di Velluto Grigio)

Dario Argento, IT, 1971

103 min., OmdU

Rockmusiker Roberto hat schon seltsame Groupies. Nachdem er einen unheimlichen Stalker ungewollt umbringt, wird der Drummer mit furchterregender Fanpost überflutet. Eine mysteriöse Maskengestalt hat den Vorfall beobachtet und setzt alles daran, Roberto das Leben zur Hölle zu machen.

 

Seit nunmehr einem Jahr laden die Til Midnight Movies zu progressiven, provokanten und profunden Kultfilm-Erlebnissen ins schikaneder Kino. An unserem ersten Geburtstag besinnen wir uns auf die Anfänge der Programmreihe und geben die Bühne noch einmal Dario Argento frei, dessen "Opera" einst den wilden Reigen entfesselte.

 

Ehe er mit "Profondo Rosso" endgültig zum Giallo-Großmeister promoviert und sein Opus "Suspiria" (Horror-) Filmgeschichte schreibt, legt Argento mit dem finalen Teil seiner thematischen "Tier-Trilogie" seine Gesellenprüfung ab und trippelt im Trommelwirbel seines schlagzeugenden Protagonisten noch einmal mit jugendlicher Leichtfüßigkeit durch einen paranoisch kondensierten Mysteryplot. Begleitet von Maestro Morricone sammelt die angehende Auteur-Legende die letzten entscheidenden Bausteine ihrer einzigartigen Formsprache zusammen und schenkt dem Giallo-Motiv der Augenzeugenschat eine ganz neue Bedeutung. Wem das noch nicht kultig genug klingt, den lockt wohl spätestens die Kunde über Beteiligung des sagenhaften Dampfhammers Bud Spencer, der hier als "Gott" zu bewundern ist. Schluss mit lustig, oder: La commedia è finita! (Daniel Krunz) 



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Am 13. & 20. Juni 2020 im schikaneder: 

VAMPIRE GEGEN HERAKLES (Ercole Al Centro Della Terra)

Mario Bava, IT, 1961

84 min., OmdU

Herakles und Theseus auf Mission in der Unterwelt. Auf der Suche nach einem Stein, der Herakles Geliebte Deianeira von einem bösen Zauber befreien soll, müssen sie so manche Hürde bezwingen. Doch was, wenn sie mit ihrem Vorhaben auf dem Holzweg sind, weil der Zauber mit etwas ganz anderem zu tun hat? Zum Beispiel mit Vampiren?

Drei Jahre bevor Mario Bava mit „Blutige Seide“ (1964) eine unfassbar große Welle an Giallo-Thrillern losgetreten hat, setzte er diese wunderbare Symbiose aus Neo-Gothic- und Sandalenfilm in die Welt der italienischen B-Movies. Tatsächlich gilt „Vampire Gegen Herakles“ auch in Bavas Filmographie als eine Art Brückenschlag, wo sich der Regisseur doch davor insbesondere dem Vampirfilm und danach dem „historischen“ Sandalen- und Abenteuerfilm zugewendet hat.

Der vor 40 Jahren verstorbene Maestro des italienischen Horrorfilms ist mitunter für seine eigenhändig gestalteten Set-Designs bekannt. Seine diesbezüglich letzte Arbeit findet sich übrigens in Dario Argentos „Inferno“ (1980), der nur wenige Monate vor Bavas Tod seine Uraufführung in Italien erleben durfte. Doch bereits mit „Vampire gegen Herakles“, der Bavas ersten Farbfilm darstellt, ist ihm mit seinem beispiellosen Talent für die Inszenierung von Räumen und dem spielerischen Einsatz von kräftigen Farben, ein bewegtes Bild für Götter gelungen. (Julian Stockinger)



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Am 10., 12. & 15. Juli 2020 im schikaneder: 

LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG (Il Grande Silenzio)

Sergio Corbucci, IT, 1968

105 min., OmdU

Abkühlung gefällig? In Sergio Corbuccis Schnee-Western "Leichen pflastern seinen Weg" bekommst du sie gleich doppelt: Mit eiskalten Charakteren in einem winterlichen Szenario. Brr!

Berühmt berüchtigt für sein radikales Ende, bietet der Film noch so viel mehr als nur das. Klaus Kinski als - na eh klar - brillanter Bösewicht, die in Südtirol eingefangene und mit Schnee (und Blut) bedeckte Landschaft und der bei grausamer Kälte herzerwärmende Score von Ennio Morricone, der den stellenweise unangenehmen Film zum wahren Vergnügen macht.

Dieser und andere Filme des provokanten Regisseurs sind aus der Filmgeschichte nicht mehr weg zu denken. Auch Quentin Tarantino hat Corbucci nicht nur ein Mal ein Denkmal gesetzt. Am aller deutlichsten natürlich mit "Django Unchained", wo sich nicht nur der Titel auf einen von Corbuccis Kult-Western bezieht. Beim Schauen von "Leichen pflastern seinen Weg" wird man zwangsläufig immer wieder an Szenen aus "The Hateful Eight" erinnert - oder eben umgekehrt. Und in Tarantinos neuestem Streich wird sein italienischer, 1990 verstorbener Regiekollege sogar namentlich erwähnt.


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Am 17. & 24. Juli und 2. August 2020 im schikaneder: 

BLISS

Joe Begos, US, 2019

80 min., OmdU

Sex, Drugs & Punk - und literweise Blut. Das gibt es in Joe Begos auf 16mm gedrehten Trip von einem Film zu sehen und zwar reichlich. Mit seiner halluzinatorischen Bildgewalt und dem Bad-Trip-Szenario reiht er sich in einen Trend, für den wohl erst ein Name gefunden werden muss, aber der jetzt schon mit Meisterwerken wie CLIMAX und MANDY trumpfen kann. Schauspielerische Unterstützung erhält der Film übrigens von Regie-Kollege Jeremy Gardner, dessen Zombiekomödie „The Battery“ bereits bei den Til Midnight Movies lief.

Es gibt Substanzen von denen man besser die Finger lässt. Zum Beispiel von „Bliss“, der neuen Designerdroge, die wie eine Kreuzung aus Kokain und dem hochgradig halluzinogenen DMT wirkt. Der jungen Künstlerin Dezzy kommt das Zeug aber erstmal gelegen. Sie befindet sich nämlich in einer existenzbedrohenden Schaffenskrise und das ein oder andere Näschen „Bliss“ dürfte ihre Kreativität fördern. Doch je mehr sie sich dieser Droge hingibt, desto seltsamere Dinge geschehen und Dezzy durchlebt eine sukzessive Verwandlung in etwas, das sie wohl nie sein wollte. But first thing’s first: Let’s get the fucking party started!


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